Heimat mir Haarrissen

„Paarlandschaften“, der erste Teil der Bagalutten-Trilogie, spielt 1961, als das Wirtschaftswunder in voller Blüte steht. Damit hält auch die Fremde Einzug im bäuerlich geprägten Paar. Bagalutten, das meint soviel wie Gesindel, ist zärtlich und abwertend zugleich. Wie bereits im „Tintenfischgarten“ sind Mardaus‘ Helden die kleinen Leute, die Außenseiter – seien es nun die ersten Gastarbeiter oder die Flüchtlingskinder aus St. Jona. Die Erfahrung der Region führt die Autorin ins Allgemeingültige, also vom Kleinen ins Große über. Denn die Schicksale sind universell: Überall gibt es die Verheerungen der Kriege, eine vergeudete Jugend, findet sich Liebe, Fremde, Ankommen und Fortgehen.

 

Der Roman in der Presse

Heike John (2011): Diese Heimatliteratur ist nicht muffig, sondern ungemütlich. Caroline Mardaus las aus ihrer Neuerscheinung „Paarlandschaften“, die an ein Meringer Lebensgefühl erinnert. In: Augsburger Allgemeine, 23.10.2011

Alois Knoller (2012): Heimat mit Haarrissen. Caroline Mardaus verarbeitet Meringer Kindheit im Roman. In: Augsburger Allgemeine, 23.01.2012.

 

Leseprobe

Eines Nachmittags, als die beiden zähneklappernd im seichten Teil des Beckens standen, kam im golden gedämpften Herbstlicht langsam ihr Bruder Paul über den Rasen geschritten, träumerisch und wie betäubt. Das Wirtschaftswunder ist in voller Blüte. Damit hält auch die Fremde Einzug im bäuerlich geprägten Paar. Die Giardinos eröffnen das erste italienische Eiscafé, Dante Scalisi geht in die Baumaschinenfabrik und findet Lore Brenner schön. Was wird ihr Vater dazu sagen? Die Gegenwart der Menschen in Paar und der Siedlung St. Jona ist tief verwoben mit den Wunden des Krieges, die weit in die Ehen und Familien hinein ihre zerstörerische Kraft entfalten. Dies ist der letzte Sommer des jungen Gefreiten Harry Schumann, er hat das Kaff gründlich satt. Seine Freunde Paul, Tom, Lilo und Schiloso werden ihn sicher vermissen. Aber bis September, so sagt es Lilo doch immer, kann noch so viel geschehen.