Statement Fotografie

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Fotografie bedeutet für Frank Mardaus, die Wirklichkeit zu gestalten. Gestaltung im Sinne der Übung, nicht des ersten Effekts. Der größte Wert liegt in dem Wiedergeben einer Wahrheit, die einmal gewesen ist. Schönheit ist dabei kein Maß an Beschönigung, sondern die geformte Darstellung dessen, was unentdeckt geblieben ist und dennoch immer sein wird.

Der Fotograf möchte um des Bildes willen nicht dominierend in das Vorgefundene einschreiten, sondern den Menschen und die Situation nah und distanziert zugleich begleiten. Die Kamera ist dabei jedoch keineswegs nur eine unscheinbare Kleinbildkamera, sondern hauptsächlich eine Hasselblad Mittelformatkamera.

Wie jede Fotografie, so manipuliert und verfremdet auch die von Mardaus, z.B. durch einen niedrigen Blickpunkt, ein nur angeschnittenes Gesicht, doch hält er an dem Foto als Fixpunkt fest für tatsächliche Geschichten fest. Etwas ist geschehen, noch unsichtbar und ungesagt – doch im Studium und Erstaunen der Fotografie bleibt es sichtbar.

Mardaus Stil bleibt zunächst unspektakulär, mit moderaten Gestaltungsmittel gibt er Anlaß zu einem  Erzählgeflecht, das letztlich nur eins zum Ziel haben kann: Die Gewißheit eines „Es ist so gewesen“ zu entdecken. Die Fotografie gibt dem Leben ein ihm selbst entlocktes erzählerisches Ausgangsmaterial zurück.

Mardaus Themen bedeuten Übergang, von einem Moment zum anderen. Warten.

Frank Mardaus macht es sich, den Menschen auf den Fotografien   und nicht zuletzt den Betrachtern dieser Bilder nicht leicht. Er zwingt sich selbst zu Diskretion und Distanz, weil er das verräterisch Bewegte ausspart. Und er zwingt die einen, zu erzählen und die anderen zuzuhören. Daß dies ohne ein Wort geschieht, ist die ganze Geschichte.

Er ist selten inmitten weltbewegender Ereignisse, Mardaus ist Zeuge der unbesehenen Nachbeben großer Ereignisse, seien dies der Bosnienkrieg, der Zusammenbruch des Ostblocks, der Verlust der Textilindustrie, die Zeit nach den großen wirtschaftlichen Boomjahren. Er zeigt einen Aufbruch, der noch aus dem Alten geschieht.

Mardaus benutzt die Fotografie, um eine Chronik seiner Zeit zu gestalten, er sieht die Reifung seiner Bilder voraus: Mag man zunächst auch nur die Wiedergabe dessen erkennen, das gerade erst war, so sieht er darin im Wesentlichen doch das Gewesene, betrachtet es somit in einem Abstand von Jahren. Damit erkennt er in seiner Fotografie nicht das, was gerade ist, sondern was gewesen sein wird. Und wenn dies in einer würdig angemessenen Weise Gestalt gefunden hat, wenn eine zukünftige Geschichte aus dieser Vergangeheit sichtbar ist, wenn Vergänglichkeit erst durch Gegenwart aufscheint, wird er es als ein gutes Bild bezeichnen.

 

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