Biography of Work

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7. DIE ENTÄUSSERUNG (2011 –): Der Gedanke, nicht mehr der Neuen, sondern der Ganzen Welt als die totale Einfassung des Lebens nimmt überhand: Relikte von niemals wirklich zu Ende Gehendem, aber doch Vorherigem werden mit Signaturen, Lokalkennzeichen versehen, gescannt, als Block gefasst. Einzelne technische Aufnahmen können vom Betrachter schließlich kaum mehr in die ursprüngliche Zeit aufgelöst werden. Das Werk wird zu einer gerasterten Metastruktur, die Einzeldokumente sind als solche nicht mehr erkenntlich, zumindest nicht mehr in ihrer ursprünglichen Bedeutung wahrnehmbar.

 

Ausstellungsbeispiel: VERTRAULICH – NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH, 2012 Publikation: Aus dem Ingolstädter Archiv: Bd. 1: Sammlung AL-001-006: Alle gespeicherten Texte und Verweise, insbesondere auf die Sammlung AA, von 1971 bis 2012. 2996 Seiten, Verkleinerungsfaktor 42, 10 Mikrofiches, ISBN 978-3-875125-438-5 Bd 2.1: Sammlung AA: Alle fotografischen Abzüge, 1977-2011. 7392 Fotografien, Verkleinerungsfaktor 24, 77 Mikrofiches, ISBN 978-3-875125-439-2 Bd.2.2: Sammlung AA-NEG: Alle Kontaktabzüge, 1977-2011. 2651 Abbilder, Verkleinerungsfaktor 24, 28 Mikrofiches, ISBN 978-3-875125-441-5

 

6. FORTGESETZTE EINLAGERUNGEN (2007– 2010): Von einer bis dahin ausschließlich visuell vermittelten Zeiterfahrung argumentiert das Werk zunehmend medial, nämlich mit dem Gedanken einer althegnenberginischen Beendigung der Alten Welt durch die bloße Sortierung und dauerhafte Archivierung aller nur möglichen materiellen Erinnerungsträger. Im fortgeführten Ablenken von der immer noch möglichen ästhetischen Erfahrung wird die Aufmerksamkeit auf das materiale Umfeld der Produktion und ihrem immens vielgestaltigen Auserzählen, oder zumindest der Fähigkeit dazu, gelenkt. Die Neue, einst als erwartbar gekennzeichnete Welt, wird in geplanter Rücksichtslosigkeit vereinnahmt zum einem Gegenstand von Archivierbarkeit, in der Hoffnung, sie möge – von wem auch immer – entfaltbar bleiben.

Ausstellungsbeispiele: GERÜSTET, 2007; SYSTEMKOORDINATE, 2008; FINDBUCH WE-0007, 2009;. Publikation (mit Caroline Mardaus): Findbuch WE-0007, Augsburg, MaroVerlag, 2009. – 231 S.: zahlr. Ill.; (H2)

 

5. DAS LEBEN ALS DREIERSCHRITT (2003 – 2006). Dicht und streng aufeinander folgende Fotografien erzeugen als inneren Monolog ein Erzählgeflecht, um dem Leben ein ihm selbst entlocktes erzählerisches Ausgangsmaterial zurückzugeben. Bereiche der je gegenwärtigen, alltäglichen Welt treffen dabei zunehmend in erkennbarem Widerspruch zu Bildern der geschlossen komponierten Alten Welt. Die „Gänge an Orten“ treffen auf eine den frühen Flanerien und Performances geschuldeten Widerstand und formen eine zunehmende Präsenz von anstehender Zukunft: An den großformatigen, meist als Triptychen gezeigten metallenen Bildtafeln entsteht eine Spannung durch systematische Ästhetik auf der einen und einer Neigung nach zurückziehendem Neuanfang, dem althegnenberger Nullpunkt der Kunst, auf der anderen Seite.

Ausstellungsbeispiele: NACHTS, 2003; GRÜN, DU BÖSE FARBE, 2005; HEUREKA STREET 2006 Publikation (mit Caroline Rusch): Heureka Street, Althegnenberg, 2006. – 31 S. : überw. Ill. Text dt. und engl., Signatur des Zentralinstituts für Kunstgeschichte: D2-Mar 719-30.

 

 

4. VORRANGIGER ABBRUCH DER ALTEN WELT (1998 – 2002): Weil Warten einen fernen Horizont eröffnet, aber aus sich keine Welt und kein Handeln schafft, durfte es verführen zu einem beharrlichen, nochmals verlangsamten und sogar fortgesetzten Festhalten an der Alten Welt, zumindest an ihrem noch nicht Vergangensein: Inmitten einer von Zeitgenossen als stärker beschleunigt und unmittelbar apostrophierten Lebenswelt verfolgt der Künstler die bis zu ihrem unabänderlichen Abbruch fortbestehende Alte Welt und präsentiert sie als Teil jener Epoche des Wartens. Daraus folgen dokumentarisierende, literarisierende Aufzeichnungen von Gängen durch Orte, an denen jene letzten, eher zufällig überlebten Relikte der alten Welt zu vernichten sind: An der Peripherie findet sich indes nun kein Abglanz des einstmaligen Zentrums, sondern bereits die mythischen Vorgeschichte: Am gefundenen Ort, der Unterwelt, befinden sich die drei Parzen. In ihrer Lobpreisung liegt schwerlich verhüllt die Aufforderung zum Weiterwarten auf das Neue.

 

Ausstellungsbeispiel: NAK-FABRICS, 2001; KONSTANZA, 2002. Publikation (mit Caroline Rusch): NAK-FABRICS. In: Winfried Nerdinger (Hg.): Industriekultur mit Zukunft? Augsburg und das Erbe des Industriezeitalters. Architekturmuseum Schwaben. Augsburg 2003 (21), S. 34–35.

Ausstellungsansicht nak im Theater,

 

3. DER BEGINN DES WARTENS (1994 – 1998): Ausgewählte Bildmotive deuten in ihrer Heraushebung und Zusammenstellung die Möglichkeit eines Übergangs hin zu einer Neuen Welt an, und zwar von einem fotografisch erfassbaren, in sich bereits sinngebenden und ausgearbeiteten Zustand zu einer noch unbekannten nächsten Zeit. Damit erklärt sich die im fotografischen Bild gezeigte Gegenwart als eine des Wartens an dem als Peripherie erkannten und angenommenen Ort. In dieser Deutung und Ausarbeitung öffnet sich das nun fotografisch im engeren Sinne zu verstehende Werk gemeinsam mit der Dichterin Caroline Rusch hin zu narrativen, also literarisch-begrifflichen Ansätzen, zu poetischen Relikten eines einstigen Zentrums. So zeigt eine Serie von Fotografien aus Bosnien-Herzegowina, zusammen mit Strophen eines Gedichts von Ingeborg Bachmann, Seelenzustände der Zeitgeschichte dieser Region zwar ohne unmittelbare Hoffnung auf eine nahe Zeitenwende, deuten aber in ihrer erzählbaren Gewordenheit Veränderungen an. Die Werke behaupten Diskretion und Distanz, weil der dokumentarisch Effekt gezielt ausgespart bleibt, und ermöglicht eine stabile Form von bildlich gezeigter Erzählung.

Ausstellungsbeispiele: ALLES IST WUNDENSCHLAGEN, 1996; ASPETTARE, 1998. Publikation: Warten – Aspettare – da un ‘idea di Caroline Rusch. In: Giuffrida Clementina u.a. [Hrsg.] – 9.1.1998. Salvatore Caravello, Luca Lo Iacono, Giuseppe Piazza, Frank Mardaus: Palermo: Arti Grafiche Siciliane, 1998 – Text ital. – 41 S. überw. Ill. /

 

2. AN DER SCHWELLE DER NEUEN WELT (1989-1994): Inmitten des Untergangs einer Alten Welt am Ende des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts gehen angenommene Eingeschlossenheit und subversiver Aufbruch durch Inanspruchnahme eines nur zögerlich wahrgenommenen Rechts auf Freiheit in Flanerien und Performances, kurz: den Althegnenbergerien der Wendezeit um 1989 einen als autonom verstandenen ästhetischen Weg. In Durchmessung kleinbürgerlicher Haltungen, zu den die Verwendung einer Technik zum Aufbau eines material basierten Familiengedächtnises gehört, zeigt sich das eigentlich Geschaute und persönlich Gemeinte zum einen als bloßer Ort einer reisenden Anwesenheit und zum anderen als harmlose durch die Kamera legitimierte Inszenierung einer spontanen Lustigkeit. Unter dem Kürzel des Eigentlichen, das hinter einer wie in Berlin abzubrechenden Mauer liegt, wird das Zeugnis eines notwendigen Ganges am fremden Ort abgelegt oder ein selbst erfunden Seltsames eines Familien- oder Studentenalltages inszeniert. So zeigen die Selbstportraits, Reisefotografien, sowie die Dokumentationen einzelner “Aktionen” nicht allein die darstellbaren Objekte dieser Zeit, sondern einen unmerklichen Aufbruch vor dem Hintergrund bekannter geschichtlicher Ereignisse und Theorien, wie den Zusammenbruch der osteuropäischer Staaten, das letztmalige Gleichbleibens der westlichen Staaten mit sich selbst und die daraus resultierende Spannung einer Zeichenwelt im Sinne Baudrillards.

 

Performancebeispiel: TV-FELDTANZ, 1991 Ausstellungsbeispiel: SELBSTPORTRAITS 1992 Publikation: Dösologie. Althegnenberg. In: ff-fernsehen feuilleton 2000 (3), S. 54–57.

 

 

1. KONSERVIERUNG DER HERKUNFT (1977 –1989): In Anlehnung an Gesten und Gewohnheiten der Familie entsteht spätestens 1984 das formulierte Programm der Notwendigkeit von Aufzeichnung des sich in der Gegenwart Vollziehenden zum Zwecke einer künftig vollständigeren Inwertsetzung. Die Zeit und das in ihr Versäumte ist festzugehalten.

Performancebeispiel: OSTERN, 1982

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